25.02.2011 | GARDELEGEN/HALLE (SAALE)/MZ. Das Gardelegener Unternehmen Agenda Glas im Altmarkkreis Salzwedel, das Anfang der Woche Insolvenzantrag gestellt hatte, ist überlebensfähig. Davon ist der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther überzeugt. “Die Rettung von Agenda Glas ist in Sicht”, sagte Flöther am Freitag der MZ. Er verhandele bereits mit namhaften Investoren. Der Verkaufsprozess werde nächste Woche gestartet. Zugleich nannte er Berichte über die Höhe möglicher Verluste der beteiligten Gläubiger “reine Spekulation”. Ob und in welcher Höhe Gläubiger auf Forderungen verzichten müssen, könne erst bei Abschluss der bereits begonnenen Sanierungsmaßnahmen festgestellt werden.
Die “Magdeburger Volksstimme” hatte zuvor berichtet, dass in den Bau des 50 Millionen Euro teuren Werkes für Behälterglas (unter anderem Flaschen für die Spirituosen-Industrie) nicht nur die offiziell genannten 10,2 Millionen Euro Fördermittel des Landes geflossen seien, sondern insgesamt rund 30 Millionen öffentlicher Gelder aus unterschiedlichen Quellen. Zudem seien Kredite der Nord LB über 17,6 Millionen sowie der Sparkasse Altmark West über fünf Millionen Euro genutzt worden. Der offizielle Eigenanteil der Gesellschafter – zwei Ex-Manager des Glaskonzerns Heye aus dem niedersächsischen Obernkirchen und die IBG Beteiligungsgesellschaft Sachsen-Anhalt/Goodventure – liege bei nur 4,2 Millionen Euro. Die Unternehmer selbst hatten vor Beginn der Investition dagegen von 18 Prozent Eigenanteil gesprochen.
Weder Flöther noch das Wirtschaftsministerium wollten diese Zahlen bestätigen. “Aufgrund der sehr erfreulichen Fortführungsperspektive gehe das Wirtschaftsministerium zu Recht davon aus, dass die mit dem Einsatz verschiedener Förderinstrumente verbundenen wirtschaftspolitischen Zielsetzungen erreicht werden”, hieß es am Freitag in einer offiziellen Erklärung der Anwaltskanzlei Flöther & Wissing. “Der Aufbau eines leistungsfähigen Produktionsstandortes und die Schaffung von 150 Industriearbeitsplätzen in der strukturschwachen Altmark waren und sind Ziel der Förderpolitik des Wirtschaftsministeriums”, wurde darin Ministeriumssprecherin Petra Penning zitiert.
Laut Flöther ist die Fortführung des Betriebs einschließlich der Löhne bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens (voraussichtlich im Mai) gesichert. Neben der Verkaufsvariante würden auch die Sanierung über einen Insolvenzplan und andere Möglichkeiten geprüft.
Quelle: MZ/ ECKHARD JÄCKEL
