Pleite trotz Großauftrages

23.10.2009

von Steffen Höhne
Laucha/MZ – Die Situation ist paradox: Der Fahrzeugbauer Sommer mit 196 Mitarbeitern hat volle Auftragsbücher und musste dennoch Insolvenz anmelden. „Nach deutlichen Umsatzrückgängen haben uns einfach die Mittel gefehlt, um einen neuen Großauftrag zu stemmen“, sagte Frank Asthoff, Geschäftsführer der Sommer Road Cargo Solutions GmbH aus Laucha (Burgenlandkreis), gestern der MZ. Dass die Banken das Unternehmen nicht weiter finanzieren, hat verschiedene Gründe.

„Die Arbeitsplätze sind vorerst gesichert“ (Lucas Flöther, Insolvenzverwalter)

Die Firma Sommer zählt zu den führenden europäischen Herstellern von sogenannten KEP-Fahrzeugen. KEP steht für Kurier-Express-Paket. Aus den Werkhallen von Sommer rollen unter anderem die gelben Kurierfahrzeuge der Deutschen Post und die dunkelbraunen Lieferwagen von UPS. Das Unternehmen produziert laut Asthoff seit 1998 in Laucha. Zunächst war der Standort ein reiner Produktionsbetrieb, 2009 wurde der Sitz des Unternehmens von Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) nach Laucha verlagert.

Nach Angaben von Asthoff wurden im Jahr 2008 etwa 750 Fahrzeuge gefertigt. Doch wie die gesamte Nutzfahrzeugbranche traf die Wirtschaftskriese den Betrieb hart (siehe: Abgehängt). Im Segment der Kofferraumbauten etwa fiel der Umsatz in diesem Jahr um 40 %. Auch die Jahre 2007 und 2008 waren nach MZ-Information für die Firma nicht unbedingt glänzend gelaufen. Mehrere Restruktorierungen hatten nicht den gewünschten Erfolg. Hinzu kam ein Gesellschafterwechsel im März. Die Banken hatten daher offenbar das Vertrauen verloren.

Aufträge gibt es inzwischen wieder genug: „Im zweiten Halbjahr haben wir einen Großauftrag an Land gezogen“, so Asthoff. Für die Deutsche Post sollen 1000 neue Fahrzeuge hergestellt werden. Um die Nachfrage zu befriedigen, müssen die Beschäftigten derzeit sogar Sonderschichten einlegen. Das Problem: Es fehlte das Geld, um Material vorzufinanzieren. Also musste Asthoff Insolvenz anmelden.

Der durch das Amtsgericht Halle eingesetzte Insolvenzverwalter Lucas Flöther sieht jedoch „gute Chancen, dass es in Laucha weitergeht“. „Wir verschaffen uns derzeit einen Überblick“, sagte Flöther. Die positive Nachricht für die Beschäftigten: „Die Arbeitsplätze sind vorerst gesichert“. Nach seiner Ansicht besitzt das Unternehmen viel Know-how im Fahrzeugbau und eine gute Markposition. Derzeit würden Pläne zur Restrukturierung ausgearbeitet. Danach werde entschieden, wie das Unternehmen fortgeführt werden könne.

MZ | Steffen Höhne


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