Mäc Geiz ganz generös

INSOLVENZ Neue Besitzer aus Österreich wollen die 184 Filialen des Discounters aus Landsberg weiterführen. 1300 Jobs sollen erhalten bleiben.

24.08.2010 | LANDSBERG|MZ – Die derzeit 1300 Mitarbeiter von Mäc Geiz könne aufatmen: Die österreichische MTH AG hat den insolventen Haushaltsdicounter aus Landsberg im Saalekreis gekauft und kündigte an, sämtliche der bundesweit 184 Filialen zu erhalten. „Schließungen und Entlassungen sind nicht geplant“, sagte Martin Waldhäusl, Handelsvorstand der MTH, gestern gegenüber der MZ. Auch der eine schottische Sparsamkeit suggerierende Markenname bleibe unverändert.

Mit dem Motto „Schotten sind Verschwender, wir nicht!“ hatte der Westfale Dirk Bolmerg 1994 seinen ersten Billig-Laden in Halle eröffnet. Die Handelskette im Schottenrock-Muster wuchs rasant, betrieb schließlich 259 Filialen, in denen rund 1600 Mitarbeiter beschäftigt waren. Doch im Mai dieses Jahres meldete Bolmerg Insolvenz an. Ein Grund: „Es gab zu viele unrentable Filialen, vor allem in den Altbundesländern,“ so ein Branchenkenner. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen dennoch zuletzt rund 100 Millionen Euro umgesetzt, sagte gestern der neue Besitzer aus Österreich. Über den Kaufpreis schwiegen sich die Beteiligten aus. Wie Mäc Geiz indes gestern mitteilte, könnten die Gläubiger mit einer guten Quote rechnen.

MTH steht für Management Trust Holding. „Wir sind keine Heuschrecken, sondern strategische Investoren. Wir wollen auf dem mitteleuropäischen Discountmarkt eine stärkere Rolle spielen“, so Waldhäusl. Das Unternehmen betreibt die Handelsketten Libro und Pagro in Österreich sowie den deutschen Discounter Pfennigpfeiffer aus Dresden. Zusammen haben die drei Gesellschaften 460 Filialen und 2900 Mitarbeiter.
„Eine große Anstrengung aller Beteiligten war nötig, Mäc Geiz so schnell zu retten“, sagte der zuständige hallesche Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther. Das Insolvenzverfahren war erst am 1. August in Halle eröffnet worden.
Allerdings war die „Braut“ vor dem Verkauf hübsch gemacht worden: 75 „Schließungsfilialen“ wurden zuvor an den Textildiscounter NKD verkauft. Der prüft noch, wie viele Läden er erhält.

Mäc Geiz und Pfennigpfeiffer
Besitzer sieht keine Konkurrenz.

LANDSBERG|MZ – Noch immer ist Mäc-Geiz-Gründer Dirk Bolmerg der Geschäftsführer des in-solventen Haushaltsdiscounters mit Sitz im Sallekreis. Aber Mäc Geiz gehört ihm nicht mehr. Nach der überraschenden Insolvenz im Mai hat der mit seiner Billig-Handelskette bundesweit bekannt gewordene „Star im Schottenrock“ am vergangenen Freitag den 70-seitigen Vertrag unterschrieben, der den Verkauf der Firma an die MTH Handels-Holding GmbH aus Österreich besiegelte.

Mit dem Verkauf des – zuletzt wieder stabil wirtschaftenden – Unternehmens scheint die überwiegende Zahl des einstmals 1600 Mitarbeiter des Millionenunternehmens Mäc Geiz ihren Job zu behalten. Dies hat zumindest der neue Besitzer angekündigt.

Dessen Chef Martin Waldhäusl will die Handelskette weiter betreiben. Veränderungen seien aber möglich: „Ob wir das Konzept so beibehalten – mal sehen. Rund 50 Filialen sind ja bereits von dem ursprünglich nach Preisgruppen sortierten Angebot zum normalen Sortimentsladen umgerüstet“. Die Österreicher übernehmen die Geschäfte voraussichtlich Mitte September. Nach MZ-Informationen wird Gründer Dirk Bolmerg noch einige Monate lang den Übergang begleiten. MTH ist ein Familien-unternehmen. Waldhäusels Schwiegervater hat vor mehr als 20 Jahren die Firma gegründet, die zunächst in der Industrietechnik und Finanzierungsbereich aktiv war. 2002 ist sie dann in den Einzelhan-delsmarkt eingestiegen. Damals übernahm das Unternehmen die insolventen österreichischen Handelsketten Libro und später Pagro und machte sie wieder flott.

Vor zwei Jahren, so Waldhäusl, stieg MTH schließlich bei dem deutschen Filialisten Pfennigpfeifer aus Dresden und damit in den deutschen Markt ein. Waldhäusl sieht kein Problem darin, die Discount-Marken in Konkurrenz zu betreiben. „Beide Ketten haben unterschiedliche Sortimente und Lagen in den Städten.“

Während des Insolvenzverfahrens waren drei Bewerber für die Mäc-Geiz-Läden in die engere Wahl gekommen. Gemessen and der Zahl der betroffenen Jobs ist die Mäc-Geiz-Insolvenz eines der größten Verfahren Mitteldeutschlands in den vergangenen zehn Jahren.

MZ | Michael Falgowski


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