Italiener kaufen insolventes Natursteinwerk in Magdeburg

Produktion wird wieder hochgefahren
Mitarbeiterzahl soll perspektivisch steigen

03.09.2010 | Magdeburg. Die M.A.L. Magdeburger Artolith GmbH ist gerettet. Das Natursteinwerk, das im vergangenen Jahr mit rund 100 Beschäftigten Insolvenz anmelden musste, ist an einen der weltweit führenden Hersteller von Kunstmarmor, das Unternehmen Quartzforms  aus dem italienischen Padua, verkauft worden. Das sagte Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther der Volksstimme.
Das Werk zur Herstellung von Quarzsteintafeln war 2006 für rund 50 Millionen Euro gebaut worden, hatte aber wegen einer nicht ausreichenden Finanzierung des Unternehmens die gesteckten Ziele nicht erreichen können. Spezialisiert ist das Werk auf die Herstellung und den weltweiten Vertrieb harzgebundener Natursteintafeln, die im Wesentlichen zu Bodenbelägen und Küchenarbeitsplatten im Luxussegment weiterverarbeitet werden. Nach der Insolvenz war das Werk mit 20 Beschäftigten nur noch im Stand-by-Betrieb gefahren worden. Wie Flöther weiter mitteilte, sollen nun die beiden vorhandenen Fertigungslinien sukzessive hochgefahren werden. Perspektivisch sei ein Belegschaftswachstum auf mehr als 100 Beschäftigte möglich.
Die Kanzlei „Flöther & Wissing Rechtsanwälte“ gehört mit deutschlandweit neun Standorten unter anderem auch in Magdeburg zu den führenden Kanzleien auf dem Gebiet der Insolvenzverwaltung. Sie war unter anderem in den Insolvenzvorgang des ostdeutschen Haushaltswaren-Discounters Mäc-Geiz involviert und ist aktuell in den Insolvenzfall der zu den größeren Autozulieferern in Sachsen-Anhalt gehörenden „PSFU Profilschleif-, Fertigungs- & UmweltTechnik GmbH“ in Wernigerode eingeschaltet.
Flöther zufolge ist die im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise befürchtete Insolvenzwelle in Sachsen-Anhalt bisher ausgeblieben. Nach wie vor greife die Kurzarbeit. Auch hätten in schwieriger Lage befindliche Unternehmen zu ihrer vorübergehenden Entlastung vielfach Stundungserlasse mit Banken erreichen können. Allerdings sei es noch zu früh, gänzlich Entwarnung zu geben, mahnte Flöther. Die Eigenkapitalausstattung vieler Unternehmen in Sachsen-Anhalt sei auch 20 Jahre nach der Wende „ziemlich schlecht“. Wenn das geringe Eigenkapital zudem noch angegriffen werden müsse, um durch die Krise zu kommen, erschwere das die Situation merklich.
Flöther appellierte an die Unternehmensführer, bei drohenden finanziellen Problemen rechtzeitig den Weg der Insolvenz zu beschreiten. „Je früher ein entsprechender Antrag gestellt wird, desto größer sind die Chancen, das Unternehmen zu retten“, sagte der Anwalt, der auch in aktuelle, auf Bundesebene stattfindende Gesetzgebungsverfahren auf seinem Spezialgebiet eingebunden ist.
Derzeit werde in Berlin ein Gesetzentwurf erarbeitet, der diejenigen Firmeninhaber oder Geschäftsführer belohne, die in Kenntnis absehbarer wirtschaftlicher Schwierigkeiten frühzeitig Insolvenzantrag stellen. Daraus solle ein Anspruch auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung erwachsen. So könne das Management die operativen Geschicke in der Hand behalten. Dies sei wegen dessen intimer Firmenkenntnisse für den Erfolg des Insolvenzverfahrens von hoher Bedeutung.

Magdeburger Volksstimme / Torsten Scheer


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