Holzpelletwerk Tangermünde: Polizei ermittelt

Produktion ruht noch immer / Insolvenzverwalter berufen / Millionenforderung vom Stendaler Finanzamt

15.09.2010 | Tangermünde Die Zukunft des Tangermünder Holzpelletwerkes ist derzeit düster. Anfang September ist der Magdeburger Rechtsanwalt Dr. Lucas F. Flöther vom Amtsgericht Stendal zum Insolvenzverwalter bestellt worden. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Im Werk selber herrscht Grabesstille.
Das Werkstor ist abgeschlossen. Nichts rührt sich im Tangermünder Holzpelletwerk. Die vom alleinigen Gesellschafter Michael Kruthoffer Mitte Juni für den Herbst angekündigte Wiederaufnahme der Produktion wird es wohl nicht geben. Dafür müssten vorher etliche Hürden aus dem Weg geräumt und viel Geld in die Hand genommen werden.
Denn Auslöser für die Insolvenzverwaltung ist das Finanzamt in Stendal. Das fordert von Kruthoffer, einem Rechtsanwalt aus dem hessischen Seligenstadt, die Investitionszulage 2008 zurück. Eine Forderung über mehr als eine Million Euro.

Offene Rechnungen bei Holzhändler

Seit Anfang September verwaltet deshalb der Magdeburger Rechtsanwalt Dr. Lucas F. Flöther das Vermögen der Tangermünder Holzpellet GmbH, die im September vergangenen Jahres zunächst die Produktion aufnahm, sie aber zum Jahresende wieder einstellen musste.
Nicht, wie Kruthoffer zunächst öffentlich behauptete, weil die Anlage technische Mängel aufwies, sondern weil das Werk kein Holz mehr erhielt. Etliche Holzhändler saßen zu diesem Zeitpunkt bereits auf offenen Rechnungen. Und auch der Anlagenhersteller, der renommierte Hamburger Maschinenbauer Amandus Kahl Group, wartete vergeblich auf Geld.
Die Hamburger zogen schließlich im Februar die Reißleine und demontierten unter anderem die tonnenschweren Pressen. Zur „Vermögenssicherung“, wie Marketingleiter Fritz A. Kahl gegenüber Volksstimme erklärte. Mehr als 30 Mitarbeiter wurden auf die Straße gesetzt. Sie klagen derzeit vor Arbeitsgerichten gegen ihren einstigen Betrieb, der mit einer geplanten Jahresproduktion von 100 000 Tonnen Holzpellets zu den ganz Großen in Deutschland zählte und für rund 20 Millionen Euro errichtet wurde.

Gesellschafter hofft auf Investor aus den USA

Auch mit Landesmitteln. Die Landesinvestitionsbank gab rund 1,3 Millionen Euro Investitionshilfe. Sie fordert das Geld bereits zurück, das Verfahren ist aber noch nicht abgeschlossen. Zwischenzeitlich gehen die Magdeburger Staatsanwaltschaft und die Polizei aufgrund einer Anzeige dem Verdacht nach, ob eine Insolvenzverschleppung vorliegt, bestätigte Oberstaatsanwältin und Sprecherin der Magdeburger Staatsanwaltschaft Silvia Niemann.
Kruthoffer selbst hofft noch, einen ausgearbeiteten Restrukturierungsplan umsetzen zu können. Er will die Produktion wieder anlaufen lassen, sagte er gegenüber der Volksstimme. Wann? „Das ist derzeit noch offen.“
Gegenüber dem Insolvenzverwalter soll der hessische Anwalt einen US-amerikanischen Investor ins Spiel gebracht haben. „Mit diesem haben wir uns aber noch nicht unterhalten können“, hieß es aus der Magdeburger Kanzlei des Insolvenzverwalters. Sie rechne nicht damit, dass in diesem Jahr die Produktion der Holzpellets wieder aufgenommen werde.

Magdeburger Volksstimme / Holger Thiel


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