Hoffnung für insolvente Autozulieferer in Harz und Börde

15.04.2009 | Magdeburg. Für zwei bedeutende insolvente Autozulieferer in Sachsen-Anhalt, die WMS Flocktechnik in Wolmirstedt sowie zwei Unternehmen der MWG-Gruppe in Wernigerode, gibt es Hoffnung, dass sie ihren Geschäftsbetrieb auch in Zukunft fortsetzen können. Entsprechend optimistisch äußerte sich Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther im Volksstimmegespräch.

Die Absatzkrise in der Automobilindustrie hat die ersten großen Autozulieferer in Sachsen-Anhalt getroffen. Wegen “drastischer Umsatzeinbrüche” hat die Geschäftsführung der WMS Flocktechnik Wolmirstedt Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen mit 120 Mitarbeitern in Deutschland ist die Beflockung von Formteilen aus Kunststoff und Blech spezialisiert und gilt als der europaweit führende Hersteller von beflockten Fahrzeug-Interieurteilen. Ihre Produktion gänzlich einstellen wird zum 31. Mai die MWG Galvano GmbH in Wernigerode. Betroffen sind alle 65 Arbeitsplätze des hochspezialisierten Automobilzulieferers. Bereits Ende August 2008 hatte die Geschäftsführung für die Galvanik-Sparte der MWG das Insolvenzverfahren beantragen müssen. Galvano war wichtiger Zulieferer im Luxussegment der Automobilbranche. Für die VW-Tochter Bentley wurden beispielsweise Felgen verchromt.
Im Volksstimmegespräch äußerte sich Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther hinsichtlich der langfristigen Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes der WMS in Wolmirstedt als auch für Unternehmensteile der MWG in Wernigerode optimistisch. So laufe im Harz unabhängig von der Galvano-Insolvenz in den beiden anderen Tochter-Unternehmen der Metallveredelung Wernigerode GmbH (MWG), den Produktionsbereichen Eloxal und Pulverbeschichtung, der Betrieb weiter, berichtete der Insolvenzanwalt. “Die MWG hat die ersten Stufen der Sanierung erklommen”, sagte Flöther, dessen Kanzlei Flöther & Wissing mit in Deutschland insgesamt neun Standorten zu den renommiertesten Anwaltsadressen für Insolvenzrecht gilt. Es gebe “berechtigte Hoffnung”, dass die MWG entschuldet aus der Insolvenz herausgehe, fügte Flöther hinzu. Auch werde man voraussichtlich ohne einen größeren Personalabbau auskommen. Die MWG-Gruppe soll künftig rund 120 Mitarbeiter in Wernigerode beschäftigen.
Im Fall der WMS Flocktechnik Wolmirstedt sei es “noch zu früh” für endgültige Aussagen. Festzuhalten aber bleibe, dass das Insolvenzverfahren auf die Sanierung der gesamten Unternehmensgruppe abziele. Zudem sei der Geschäftsbetrieb inkluseive der Lohn- und Gehaltszahlungen sichergestellt und werde uneingeschränkt fortgeführt, betonte Flöther.
Die WMS beschichtet unter anderem das Handschuhfach des VW Golf. Zu den Kunden zählen unter anderem Audi, Porsche, BMW und Mercedes-Benz.
Flöther zufolge hat es die Automobilzulieferer in der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise besonders schwer getroffen. Viele Unternehmen hätten mit “dramatischen Absatzeinbrüchen” zu kämpfen, kennzeichnete er die Situation. “Der Umsatzrückgang ist vielfach so dramatsich und dauert schon so lange an, dass das in besseren Zeiten angesparte Eigenkapital schnell aufgebraucht ist”, hielt Flöther fest. Besserung sei momentan nicht absehbar. Er fürchte eher das Gegenteil.
In dieser Situation seien Insolvenzverwalter besonders gefordert, erinnerte Flöther an deren Verantwortung, in wirtschaftlichen Schwierigkeiten geratene Unternehmen nicht a priori zu zerschlagen, sondern zu erhalten und zu sanieren. Um diesem Ziel auch juristisch näherzukommen, gebe es seitens des Gesetzgebers das Bemühen, das Insolvenzrecht weiter in diese Richtung auszugestalten.

Volksstimme | Torsten Scheer


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