Automobilzulieferer in Wernigerode will traditionsreichen Standort sichern/Produktion läuft weiter
04.09.2008 | Wernigerode. Für die MWG Galvano GmbH in Wernigerode ist ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Unabhängig davon geht die Produktion bei dem Automobilzulieferer weiter: Entlassungen seien nicht geplant, auch die Lohnzahlung sei gesichert, beteuert die MWG-Geschäftsleitung. Die 90-köpfige Belegschaft weiß seit Dienstagnachmittag Bescheid. Die Kunden sind auch informiert, darunter mit der Volkswagen-Konzern, der wichtigste überhaupt, und die Banken sowieso. Gestern berichtete MWG-Geschäftsführer Daniel Trutwin im Volksstimme-Gespräch über den beginn des Insolvenzverfahrens für die MWG Galvano. Das Magdeburger Amtsgericht habe per 29. August den Rechtsanwalt Lucas Flöther zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Ziel sei es, so Trutwin, den traditionsreichen Produktionsstandort in Wernigerode dauerhaft zu sichern. Das bestätigte auch der Fachanwalt aus Magdeburg auf Nachfrage: “Es besteht die realistische Chance, die Arbeitsplätze in der MWG-Gruppe zu erhalten. Aktuell sind keine Entlassungen, Kurzarbeit oder ähnliches geplant:” Laut Trutwin ist die im August eröffnete Insolvenz der Galvano-Muttergesellschaft, Metallveredelung Wernigerode, Ursache für den zweiten Insolvenzantrag. Bei einer drohenden Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise einer Überschuldung ist der Geschäftsführer gesetzlich verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen. “Ich hätte gern diese Entwicklung verhindert, aber aus juristischen Gründen war es uns leiter nicht möglich”, sagte Trutwin. Der MWG-Chef verwies auf die Besonderheit der Galvano-Insolvenz. Erstmals im Bereich des Magdeburger Amtsgerichts soll der bisherige Geschäftsführer auch im sogenannten Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung diese Verantwortung weiter übernehmen.
Trotz der aktuellen Entwicklung sei die Lohnzahlung an die 240 Mitarbeiter in der Firmengruppe gewährleistet. Trutwin bezeichnete die Auftragslage der Gruppe als zufriedenstellend. Im Juni beispielsweise habe man einen um 35 Prozent höheren Umsatz als im Vorjahresmonat erreicht: “Das beweist, wir haben Potential.” Da der aktuelle Auftragsbestand eine mittelfristige Auslastung der Firma sichere, sei eine “dauerhafte Weiterbeschäftigung unserer Mitarbeiter möglich”. Auch dank des guten Rufes, den sich die MWG-Gruppe speziellin der Automobilbranche erarbeitet habe. Außer dem wichtigsten Kunden VW zählen dazu so renommierte PS-Schmieden wie Daimler, BMW, Bentley oder Rolls-Royce, aber auch hochwertige Kunden aus der Sanitärbranche wie Hans Grothe und Hüppe.
Der MWG-Chef gibt die Richtung für die kommenden Monate vor: “Wir wollen als Gruppe das Insolvenzverfahren nutzen, um uns neu auszurichten und die Arbeitsplätze für die Zukunft dauerhaft zu sichern. Derzeit verhandeln wir mit Investoren, um unseren Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortführen zu können.”
Volksstimme | Tom Koch
